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Pankraz Perfler - G.E.T.V Almarausch Emmering

Ich heiße Pankraz Perfler, ich bin 2. Vorstand beim bayerischen Inngau Trachtenverband, 46 Jahre alt und gelernter Metzgermeister von Beruf.
Ich bin seitdem ich 9 Jahre alt bin beim Trachtenverein, zuerst als Jugendleiter, anschließend habe ich das Amt des „Vorplattlers“ übernommen. Anschließend folgte das Amt des Jugendleiters für den gesamten Gauverband. Irgendwann wurde ich dann gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte das Amt des 2. Gauvorstandes zu übernehmen.
Vom Ursprung her ist „Schuhplatteln“ eigentlich nichts anderes als eine Art Werbetanz. Hierbei erhielt der beste Akteur die meiste Aufmerksamkeit der Damenwelt und war daher bestrebt der Beste zu sein. Im Laufe der Zeit hat sich dann ein Ortsbezug entwickelt. Die örtlichen Gemeinschaften haben spezielle Tanzformen entwickelt, die es in dieser Form sonst nirgendwo gab. Über eine gemeinsame Tracht und die gemeinsamen Auftritte sind über die Jahre die Trachtenvereine entstanden.
Das Amt als Jugendleiter hatte ich über 25 Jahre inne. Hierbei hat mit die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am meisten Freude bereitet, da diese ehrlich und leicht zu motivieren sind und einem darüber hinaus viel zurückgeben. Wenn beispielsweise ein kleines Kind in einer „Kinderplattlergruppe“ zu mir kommt und mir sagt, dass es sich freut mich zu sehen, ist das für mich der größte Antrieb. Dies ist für mich in der Wertigkeit höher einzustufen als Ehrungen oder Auszeichnungen.
Das Amt als zweiter Gauvorstand war für mich schon eine Ehre. Auf der anderen Seite hat sich aber auch die Frage gestellt ob ich diese Herausforderung schaffe und der Aufgabe gewachsen bin. Ich bin aber gern bereit mich dieser anspruchsvollen Herausforderung zu stellen.
In erster Linie bin ich der Stellvertreter des ersten Vorstandes, wenn dieser zeitlich verhindert ist. Dies gilt für Sitzungen oder Sachgebietsbesprechungen. Im Gauverband gibt es mehrere Sachgebiete wie Tracht, Musik, oder Schuhplattln, die wiederum ihre eigenen Versammlungen und Projekte haben. Der Gauverband zählt derzeit 13.500 Mitglieder in 39 Vereinen. Diese Aufgabe ist für eine Einzelperson im Ehrenamt nicht zu stemmen, weshalb es eines Stellvertreters bedarf. Jedes Jahr richtet ein Verein das jährliche Gaufest mit ca. 4- bis 5000 zu erwartenden Gästen aus. Der logistische Aufwand ist hierbei nicht zu unterschätzen. Wir als Gauvorstand unterstützen und beraten den ausrichtenden Verein bei der Organisation. Von den Vereinen wird dies sehr gern angenommen, da jeder Verein nur alle 10 bis 15 Jahre an der Reihe ist und somit gar nicht über das kompakte Wissen, wie es im Gauvorstand vorhanden ist, verfügen kann.
Der Zeitaufwand den ich für mein Ehrenamt aufwende ist nicht zu unterschätzen. Wenn man rein nur die Termine rechnet, kann es vorkommen, dass ich in manchen Wochen jeden Abend für den Gauverband tätig bin. Selbst in ruhigeren Wochen fallen ein, zwei Termine an. Wenn man dann noch die Zeiten dazurechnet, in denen ich Telefonate annehme, mir neue Überlegungen mache etc. dann vergeht eigentlich kein Tag an dem ich nicht zumindest an den Gauverband denke, oder ich kleinere Arbeiten erledige.
Wenn es dieses Ehrenamt nicht mehr gäbe, würde Bayern ohne die Trachtenvereine sicherlich ein Stück seiner Identität verlieren. Aktuell erleben die Trachtenvereine einen hohen Zuspruch, weil die Menschen durch Globalisierung, Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt etc. einen Halt in einer Gemeinschaft suchen. Die Heimat rückt bei den Menschen immer mehr in den Vordergrund – und wer steht dafür mehr als die Trachtenvereine und die Blasmusik. Gäbe es diese Angebote nicht mehr würde hier meiner Meinung nach einiges wegbrechen. Auch im Bereich der Jugendarbeit wären die Folgen sichtbar, weil viele Kinder und Jugendliche, die vielleicht nicht zum Sportverein gehen wollen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung verlieren würden. Zusammengefasst würde ich behaupten „uns braucht es schon“.
Ich würde mir wünschen, dass ich dieses Amt sowohl von meinem gesundheitlichen Zustand, als auch vom zeitlichen Aufwand her noch lange bekleiden kann. Ansonsten bin ich, auch durch mein Ehrenamt, ein sehr glücklicher Mensch. Für den Gauverband gesprochen würde ich mir wünschen, dass wir den gesellschaftlichen Auftrag weiter erfüllen können und auch weiterhin über genug Nachwuchs verfügen. Aber man kann sagen, dass wir im Moment recht gut dastehen.
Mein Wunsch, auch bei der Durchführung dieses Interviews, war es aber, der Politik oder den Verantwortlichen in der Gesellschaft klar zu machen, dass es das Ehrenamt braucht. Die Einführung der Ehrenamtskarte war hierbei ein guter Schritt in die richtige Richtung, den man auch weitergehen sollte. Hierbei geht es mir weniger um die Vergünstigungen, als um die Tatsache, dass die Politik in Kontakt mit Ehrenamtlichen kommt und die Arbeit dadurch vielleicht ein wenig erleichtert wird.

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